Zunächst muss ich die meisten enttäuschen, die ein Rezept erwarten. Es wird in diesem Artikel kein immer gültiges Regelwerk geben, welches zum Beispiel in Excel umsetzbar wäre und immer funktioniert. Erstens würde ich es nicht preisgeben, falls es ein solches System überhaupt gäbe. Würden Sie einen goldenen Esel für Apfel und Ei verkaufen?
Zweitens komme ich in den letzten Monaten immer wieder zum Schluss, dass der Optionshandel so viele Freiheitsgrade hat, sodass es mir einfach um die Zeit Schade wäre, sich mit festen Regelsätzen zu befassen, die schon wenige Tage später ihre Gültigkeit verlieren. Wie mache ich aber das Geld mit Optionen? Nun es wird immer mehr zu einem Geschäft wie jedes andere, etwa der Wurstverkauf am Alster in Hamburg. Beide Geschäftsfelder verfolgen gleiche Ziele: Ertrag steigern, Kosten reduzieren, Eigenkapital schonen und insgesamt eine bessere Rendite als etwa mit Tagesgeld erzielen. Das sind die Grundannahmen für meinen Optionshandel.
Selbstverständlich gibt es einen festen Einstiegsplan, einen Plan B und C. Um die meisten möglichen Szenarien abzudecken, müsste man 10 Pläne B vorrätig haben, um auch auf die ungewöhnlichen Kursentwicklungen zu reagieren. Und das wäre für mich, wie gesagt zu stressig.
Ich will grundsätzlich keine Verluste machen. Wie geht es? Angenommen ich bin short mit einem Call, geschrieben auf die Aktie der Deutschen Telekom. Ich besitze die Aktie im Depot. Der Strike liegt bei 10,5 also knapp aus dem Geld. Der Kurs der Aktie steigt bis zum Ende der Optionsperiode bis auf 11 an. Ich kann den Call mit Verlust zurückkaufen und die Aktie verkaufen. Damit erziele ich einen Gewinn, wenn ich die Aktie nicht teurer gekauft hatte. Liegt sie jedoch im Verlust, dann bringt die komplette Auflösung der Position in der Regel nichts. Was soll man also tun? Gut, man muss den Call zurückkaufen, sonst wird man ausgeübt. Wichtig ist aber die Folgeaktion. Ich würde einen neuen Call schreiben, mit mehr Zeitwert und mit nicht weniger Prämie als der zurückgekaufte. Mindestens jedoch sollte man darauf achten, dass im Falle eines erneuten Kursrückgangs der Aktie auf den Wert vor dem Schreiben des ersten Calls der Prämienverlust des zweiten größer ist als der realisierte Verlust.
Und das ist nicht trivial und schwer in ein festes Regelwerk einzubauen. Welchen Call verkaufe ich denn? Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab: Volatilität, Restlaufzeit, allgemeiner Marktverfassung. Und nicht zuletzt habe ich diverse andere Posten im Depot immer mit Calls und Puts vertreten. Manchmal nehme ich einen kleinen Verlust in Kauf, wenn ich mit anderen Positionen ausreichend verdiene.
Wie Sie sehen, wäre ein voll automatisches System echt zu stressig, weil es stets angepasst werden müsste. Da verlasse ich mich lieber auf das eigene Gespür und eben ein paar Rehmenbedingungen.
Mittwoch, Oktober 06, 2010
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