Freitag, Dezember 24, 2010

Warum man Optionen nicht traden sollte
















Unter dem Trading verstehe ich ein regelmäßiges Kaufen und Verkaufen, zeitlich unkorreliert und meist mit kurzen Zeiträumen dazwischen- 1 Sekunde- 2 Tage.
Beim Trading wird eine Position durch ein Gegengeschäft neutralisiert.

Das so definierte Trading ist das Gegenteil vom Investieren. Als Investor habe ich einen längeren Zeithorizont, denke nicht an kurzfristige Gewinne. Wirklich?
Sollte ich doch nicht primär am mein Depot denken und entscheidet letzten Endes nicht seine effektive Veränderung über meine Aktivitäten? Warum sollte ich mich an das Paradigma des Investors halten, wenn meine Aktien stark gestiegen sind, bzw. stark fallen? Hier bleibe ich pragmatisch und unterscheide nicht zwischen Trading und Investments.
Manchmal muss man es tun, zum Beispiel wenn ich mit Optionen handle. Ich sage warum.
Optionen sind in der Regel ein wenig liquides Finanzprodukt. Zwar haben wir große Derivate-Börsen wie die Eurex, die sozusagen die Liquidität quasi garantieren. Faktisch sind Optionen für das Trading wenig geeignet.
Das Trading mit DAX-Optionen an der Eurex gehört zu meinen Jugednsünden. Damals, als es noch keine CFDs gab und ich mir einen DAX-Future nicht leisten konnte, tradete ich eben Kauf- und Verkaufoptionen und das zum Teil mit großem Erfolg. Dies lag vor allem am Regelwerk und viel Glück bei der Auswahl des Zeitpunktes. Ich kann dennoch aus folgenden Gründen dringend davon abraten, EUREX-Optionen intraday zu handeln:
1. Preis. Im Gegensatz zu Aktien und Futures besteht eine Option immer aus einem Zeitwert, der von vielen Faktoren abhängt. Zu denen zählen zwar die Black-Scholes Klassiker wie Restlaufzeit, Vola, Basispreis. Faktisch aber ist die Volatilität eine Einschätzung der Markteilnhemner, die durch den Market Maker kanalisiert wird. Somit kann der Zeitwertanteil kurzfristig kräftig steigen, ohne dass sich am Basiswert etwas getan hat. Man hat also als Trader keine Sicherheit, welchen Preis man bei der Glattstellung bekommt, auch wenn man die Preisentwicklung des Basiswertes richtig vorhergesagt hat.
2. Spreads. Der o.g. Faktor wird oft durch die stets wechselnde Spanne zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis begleitet. Das hat oft katastrophale Folgen für den Optionstrader. Schauen Sie sich die Optionspreise z.B. von DAX bei heftigen Kursbewegungen des DAX. Plötzlich geht die Spanne soweit auseinander, dass man wirklich nur den schlechtestesn Kurs bekommt, wenn man quasi realtime handeln will.
Im Übrigen hat dieses Verhalten auch mal Vorteile. Mein Geheimtipp- unmittelbar vor wichtigen Nachrichten ist das Orderbuch oft leer. Sie bekommen u.U. einen unrealistisch guten Preis.
3. Handelsgebühren Hier wird oft vergessen, dass man bei Optionshandel relativ viel zahlen muss. Im Gegensatz zu Aktien oder Futures kommen Sie selten unter 0,5% bzw. 15 € pro Trade.

Wie handlet man also Optionen? Nun prinzipiell sollte man vom Halten der Option bis zum Verfall ausgehen. Das heisst, man berücksichtigt eine eventuelle Ausübung mit allen Konsequenzen wie Aktienkauf etc. Natürlich wenn es mir gelingt und ich mit einer Position im guten Gewinn bin, stelle ich sie glatt und eröffne eine neue. Wenn nicht dann eben nicht.
Vorsichtig sollte man mit einer Strategie verfahren, wo man sich permanent in Aktienoptionen ausüben läßt, gemäß dem folgenden Prinzip:
Ich verkaufe Puts auf Aktien. Der Aktienkurs fällt, ich werde ausgeübt, bekomme Aktien und schreibe Calls auf diese Der Kurs steigt, ich werde ausgeübt und verkaufe die Aktien, u.s.w. Diese Methode funktioniert nicht mehr, wenn nur in eine Richtung der Aktienkurs sich zu weit bewegt.
Mein "Klassiker" ist das Investments eines Freundes, welcher vor Jahren viele Puts auf die Deutsche Telekom verkauft hat. Der Aktienkurs stand bei 40 €. Die Aktie fiel schnell auf unter 25, er wurde ausgeübt, bekam die Aktien für 40€ eingebucht und klar, verkaufte regelkonform gleich Calls. Sagen Sie mir bitte, wie soll er je den Verlust zwischen dem Einstand 40 € und dem damals aktuellen Kurs von 22 € ausgleichen? Bestenfalls werden die Optionen in den folgenden Monaten wertlos verfallen und er verdient den Zeitwert von 0,60 € pro Periode. Das heisst, er bräuchte 30 Monate, um die Differenz zu verdienen. Sollte der Aktienkurs gar tiefer fallen, was bei der Telekom auch passierte, können es sogar 60 Monate werden. Im schlimmsten Falle wird er die Aktien jeden Monat etwas zu teuer kaufen, um im nächsten Monat etwas zu billig u verkaufen.
So einfach ist es also nicht.
Man kann natürlich trotzdem mit dieser Strategie verdienen, muss aber trotzdem die Positionen im Auge behalten. Ich selbst schaue im Schnitt einmal am Tag meist abends auf das Depot und analysiere den potenziellen Gewinn/Verlust, der unter verschiedenen Szenarien möglich ist. Gleite ich mit einer Position in den potenziellen Verlust, dann rolle ich sie im Bereich des Machbaren. Aber eben nur dann. Ein schwieriges Geschäft, das sich dennoch lohnt.
Man sollte es aber genauso überlegt tun, wie ich auf dem Bild grübelnd die Gletscherabfahrt hinunter schaue, was jedoch auch an meinen eher bescheidenen Fahrerkünsten liegt :-)

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